Übungsdummies aus LKW-Plane

Bei vielen prkatischen Feuerwehrübungen mangelte es an einem geeigneten Dummy zur Darstellung einer verletzten bzw. zu rettenden Person. Daher entschieden sich einige Mitglieder des Löschzuges 12, einen Übungsdummy zu bauen. Wichtig war, dass er strapazierfähig und kostengünstig hergestellt werden konnte. Anhand einer Bauanleitung wurden defekte B-Schläuche mit Steinen gefüllt und zusammengefügt. Dieser erste Dummy wurde bei einigen Übungen eingesetzt, doch schnell zeigten sich seine Schwächen. Abgesehen davon, dass der Dummy viel zu schwer war, verhielt sich der Dummy sehr unmenschlich und konnte bei einigen Szenarien, wie zum Beispiel bei einem simulierten Verkehrsunfall, nicht aufrecht hingesetzt werden. Bei einer Übung verhakte sich der Dummy an einer Kante und fiel daraufhin komplett auseinander. Eine neue Lösung musste gefunden werden.

So wurden neue Möglichkeiten gesucht, einen menschlicheren und strapazierfähigeren Dummy zu bauen. Die gefundene Lösung sah vor, neue Dummys aus dem Material "Biosyl" zu bauen, welches sich in Form von LKW-Planen mittels Heißluft gut verschweißen lässt. Die benötigten Planen sind Reststücke, welche uns freundlicherweise von einem Gelsenkirchener Planen- und Sattlerbetrieb kostenlos überlassen wurden.

Zunächst entstand ein kleinerer Kinderdummy, welcher auch zum Erlernen des Folienschweißens gedacht war. Er ist zirka 1,20 Meter groß und wiegt 18 Kilogramm. Das Schnittmuster und die Größe des Dummies sind spontan aus dem Kopf entstanden.

Als zweites entstand ein Erwachsenendummy, welcher rund 1,90 Meter groß ist und etwas über 70 Kilogramm wiegt. Das Schnittmuster ist von einem alten Overall kopiert, von dem die einzelnen Teile mit genügend Übermaß auf die Plane übertragen wurden.

Mittlerweile ist ein dritter Dummy, ebenfalls in der Größe eines Erwachsenen, entstanden, so dass nun drei eigene Dummies vorhanden sind.

Das Verschweißen von LKW-Planen und der Bau der Übungsdummies

Die zurechtgeschnittenen Planenstücke werden zum Verschweißen übereinandergelegt. Beim Schweißen von Röhren wie zum Beispiel bei den Armen und Beinen sollte ein Holzbrett in diese eingeschoben werden, damit die gegenüberliegende Folie nicht mit verschweißt wird. An der Nahtstelle werden nun die übereinanderliegenden Planen mit dem Heißluftföhn erhitzt. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass die Fläche gleichmäßig erhitzt wird und der Föhn nicht zu lange auf einer Stelle gehalten wird. Ansonsten erhitzt sich die Plane zu stark, verfärbt sich und zieht sich unschön zusammen. Es ist eine Frage der Übung den richtigen Punkt zu erwischen, an dem die Folie heiß genug ist, dass sich die übereinander liegenden Folien später nicht mehr lösen, gleichzeitig aber auch nicht verschmoren. Ist der richtige Punkt erreicht, sollte die Nahtstelle mit einer Hartgummiwalze mit viel Druck zusammengedrückt werden. Idealerweise benutzt man eine Walze mit Prägung.

Der Kopf der Übungsdummies ist so gefertigt, dass eine Fluchthaube gut überzuziehen ist. Auch ein sogenannter "Stifneck" ist dank des schmal geschnittenen Halses gut anzulegen. Gefertigt ist der Kopf aus zwei runden Planen, welche am Rand jeweils zusammengeschweißt sind. Auf der Hinterseite des Kopfes befindet sich ein faustgroßes Loch, durch welches der Dummy am Ende mit Stoffresten und Gewichten gefüllt werden kann. Es ist schon ein wenig mühsam mit dem eigenen Arm durch Kopf, Hals und Bauch des Dummies in das Ende des Beines zu gelangen, um dieses mit Stoffresten zu stopfen, jedoch durchaus möglich. Beim Füllen des Dummies sollte darauf geachtet werden, dass die Kleidungsreste sehr eng und fest gestopft werden, da diese nach längerer Benutzung des Dummies zusammengedrückt werden. Es können somit unschöne Freiräume im Inneren des Dummies entstehen, wodurch er leicht instabil werden könnte.

Alle Übungsdummies sind mit Fächern für sogenannte Diagnosekarten versehen. Auf ihnen können die Rettungskräfte den aktuellen Zustand der Person ablesen. In die Fächer können vorgefertigte und einlaminierte Zettel mit verschiedenen Vitalfunktionen wie zum Beispiel "Person ist bewusstlos", "Person besitz keine Atmung", "Person besitzt keinen Puls" eingeschoben werden. Für besondere Übungen können vom Ausbilder auch individuelle Informationen hinterlassen werden, mit denen die vorgehenden Trupps eine für die Übung gewünschte Rückmeldung an den Gruppenführer abgeben können. Beim Kinderdummy ist das Fach im Brustbereich angebracht. Ist der Dummy mit Kleidung angezogen, kann dieses jedoch nicht mehr gelesen werden, weshalb die Erwachsenendummies jeweils ein Diagnosefach am Kopf bekommen haben. Das Diagnosefach besteht aus einer rechteckigen Plane, welche auf die Außenhaut des Dummies geschweißt wird. Beim Verschweißen wird zwischen Außenhaut des Dummies und der rechteckigen Plane ein dünnes Holzbrett oder ein Stück rechteckige Pappe eingeschoben, so dass lediglich die Ränder oben und unten sowie an der rechten Seite mit dem Dummy verschmelzen. Aus der Mitte wird nun ein kleineres rechteckiges Feld ausgeschnitten (kleiner als die spätere Diagnosekarte), welches durch eine eingeklebte und durchsichtige Plastikfolie ersetzt werden kann. Somit kann nun von der Seite ein Zettel eingeschoben werden.

Durch die eng gepressten Stoffreste ist der Dummy sehr stabil, wodurch er in die verschiedensten Positionen gebracht werden kann. Neben Liegen und aufrechtem Sitzen kann er auch gerade, an einer Wand gelehnt, auf seinen eigenen Füßen stehen. Durch Verstärkungen im Achselbereich kann der Dummy gut unter den Armen getragen werden, auch eine Rettungsschlinge kann angelegt und der Dummy hinter sich her gezogen werden. Erhält der Dummy einmal Risse (was zum Beispiel beim Ziehen über scharfen Kanten passieren kann) lassen sich diese sehr einfach mit einem Flicken wieder beheben. Dazu wird einfach ein Stück LKW-Plane auf die kaputte Stelle gelegt und mit der Außenhaut verschweißt. Sollten sich Nähte einmal lösen, weil sie beispielsweise nicht lange genug verschweißt wurden, können diese mit dem Heißluftföhn auch nachträglich noch erhitzt und ausgebessert werden.

Der Bau der beschriebenen Dummies ist mit Sicherheit nicht einfach, bedarf einer Menge an Übung und nimmt einige Zeit in Anspruch. Das Ergebnis kann sich jedoch sehen lassen und kommt mit wenigen Einschränkungen an ein professionelles Produkt heran. Bestenfalls hat Ihnen diese Anleitung jetzt gefallen, Sie besorgen sich morgen LKW-Planen und einen Heißluftföhn und fangen selber an einen solchen Dummy nachzubauen. Mit ein bischen handwerklichem Geschick, Kreativität und viel Zeit bekommt wirklich jeder einen solchen Dummy hin. Wir selber hatten vor dem Bau auch keinerlei Erfahrung mit dem Verschweißen von LKW-Planen oder irgendwelche Schnittmuster von Puppen.