Der Ausbildungskoffer

In den letzten Jahren sind die Anforderungen an Feuerwehren immer weiter gestiegen. Während es vor 20 oder 30 Jahren noch reichte, einen Standartlöschangriff zu beherrschen, ist heute eine qualifizierte Ausbildung eines jedes Feuerwehrmanns erforderlich. Der hohe Kenntnisstand über Einsatztaktiken und die richtige Bedienung von Feuerwehrgeräten ist nur durch regelmäßige Schulungen und Übungen zu halten und zu erweitern. Dazu findet in der Freiwilligen Feuerwehr Gelsenkirchen ein wöchentlicher Übungsdienst statt, hinzu kommen weitere größere Übungen in unregelmäßigen Abständen. Außerdem wird durch den Löschzug 12 unter Mithilfe von Kollegen der Berufsfeuerwehr der Truppführer-Lehrgang für die gesamte Freiwillige Feuerwehr Gelsenkirchen organisiert und durchgeführt.

Neben den selbst gebauten Übungsdummies wurden weitere Hilfsmittel für die Übungsvorbereitung angeschafft oder erstellt. Neben einer großen und einer kleinen Nebelmaschine finden sich unter anderem leere Gasflaschen, abgelaufene Verbandsmaterialien, Schminke zur Verletztendarstellung sowie freiverkäufliche pyrotechnische Gegenstände im Repertoire des Löschzuges 12. Für Übungen mit dem ABC-Erkundungskraftwagen und Gefahrgut-Übungslagen stehen ein Kunststofftank mit 1000 Litern Fassungsvermögen, verschiedene leere Kanister und freiverkäufliche Chemikalien (zum Beispiel Reinigungsmittel) für Übungen mit Messgeräten bereit.

Aus der Praxis heraus entstand eine weitere Idee zur Verbesserung von Übungen, der sogenannte "Ausbildungskoffer", welcher auf dieser Seite näher vorgestellt wird. Dieser dient dem Ausbilder bzw. den Ausbildern einer Übung zur Übungsvorbereitung und -begleitung und beinhaltet zu diesem Zweck zusammengefasst eine Reihe von Gegenständen, die dann nicht mehr kurzfristig "zusammengesucht" werden müssen. Die Übungsvorbereitung läuft bedeutend schneller und es kann auch Mal eine Übung spontan organisiert und eingeschoben werden. Der Koffer selber ist ein handelsüblicher relativ stabiler Koffer aus Aluminium.

Der Ausbildungskoffer beinhaltet folgende Gegenstände:

Drei Klemmbretter mit Kugelschreibern und Papier

Tesafilm und Klebeband

Filzstifte und Whiteboard-Marker

Eine Rolle Papiertücher

Diverse Hinweiszettel für das Übungsszenario

Diverse Gefahrgutkennzeichnungen

LED-Rundumleuchte rot 230 Volt

Verlängerungskabel mit Dreifachsteckdose 230 Volt

Übungsfluchthaube in Maskenbox

Übergangsstück Druckluft / Storz-Kupplung D

Die Klemmbretter stehen den Ausbildern zur Verfügung. Sie können sich während einer Übung Notizen machen, die einer konstruktiven Nachbesprechung dienen. Vordrucke gibt es zum Beispiel für das Mitschreiben einer abgegeben Rückmeldung oder zur Bewertung eines vorgehenden Trupps. Bei besonderen Übungslagen werden übrigens an die Führungskräfte vorgefertigte Einsatzdepeschen verteilt.

Im Rahmen der Übungsvorbereitung können Hinweiszettel angebracht werden, die dem Gruppenführer im Rahmen der Erkundung oder den vorgehenden Trupps besondere Erkenntnisse bringen. So können beispielsweise Türen oder Gasflaschen mit "HEISS" oder "KALT" beschriftet werden. Häufig benötigte Hinweiszettel sind natürlich einlaminiert. Soll Gefahrgut im Rahmen einer Übung zum Tragen kommen, kann dieses ebenfalls entsprechend gekennzeichnet und somit simuliert werden.

In Verbindung mit einer Nebelmaschine kann die rote LED-Rundumleuchte zum Einsatz kommen. Durch verschiedene einstellbare Blinkmodi wird Feuerschein simuliert. Da in vielen Räumen, in denen regelmäßig geübt wird, nur eine Steckdose zur Verfügung steht, wird ein Verlängerungskabel mit Dreifachstecker mitgeführt.

Bei Übungen, bei denen der Schwerpunkt im Bereich der Menschenrettung liegt, kann eine Übungsfluchthaube in einer Maskenbox durch die vorgehenden Trupps mitgenommen werden. Die Übungsfluchthaube ist eine ausgesonderte ältere Fluchthaube, welche zum Beispiel den Eingangs erwähnten Übungsdummies angelegt werden kann. Somit kann das Handling mit einer Fluchthaube trainiert werden, ohne dass eine frische und für den Ernstfall eingeschweisste Fluchthaube benutzt werden muss.

Highlight des Ausbildungskoffers ist das Übergangsstück von Druckluft / Storz-Kupplung D. Es besteht aus einem Absperrorgan mit Druckluftanschluss und Gewinde, auf die Gewindeseite wurde eine Storz-Kupplung der Größe D aufgeschraubt. Mittels Übergangsstück wird dieses Teil an den B-Eingang an den Verteiler eines Löschangriffs angeschlossen. Wird in Gebäuden geübt, in denen kein Wasser zu Übungszwecken eingesetzt werden darf, so kann der eingesetzte Trupp trotzdem mit einem gefüllten Schlauch vorgehen, denn der Schlauch ist nun mit Druckluft gefüllt. Druckluft kann zum Beispiel von einem einfachen tragbaren Kompressor oder den Druckluftanschlüssen in der Fahrzeughalle einer Feuerwache genommen werden. Die Übung wird dadurch realistischer und es entsteht in dem Übungsobjekt kein vermeidbarer Wasserschaden. Außerdem können mit dem Hohlstrahlrohr Wasser-Sprühstöße beim Vorgehen im Innenangriff simuliert werden, allerdings sollte das Strahlrohr dabei nicht auf Personen gerichtet werden, da ein Windzug durch die Druckluft entstehen kann.